Sebastian Rieger | BurgStadtMenschen #4

Mir war klar, ich will aus dem Haus raus, um etwas Neues zu tun. Vor Langem hab ich mich mal auf das Schreiben verlegt. Doch in den letzten Jahren hat das immer hintenanstehen müssen, hinter Verpflichtungen und Verwirrungen. Ich hab immer mit einem gewissen Neid auf den anglo-amerikanischen Raum geblickt, wo es ein dichtes Angebot für creative writing und performing aller Arten gibt, zur persönlichen Entwicklung und mit einer spielerischen Grundeinstellung.

Von der Offenen Burg hab ich in den Nachrichten gehört und war sofort on board. Eine Neuausrichtung hin auf die Stadt und ihre Menschen, einladen, Barrieren abbauen, das hat für mich einfach Sinn gemacht. Dazu muss man wissen, dass das Theater nicht gerade meine kulturelle Heimat ist. Mein Verhätnis zur Burg ist ein zwiespältiges. Ich hab das studiert, ich kann mich für die Geschichte begeistern. Ich liebe ihre Historizität und ihren Stellenwert für meine Stadt. Aber ich habe mich nie zugehörig gefühlt. Natürlich geht man immer wieder hin, von Kindesbeinen an. Ist vielleicht im Publikum, aber nicht wirklich Teil davon. Manchmal kommt man sich wie ein Hochstapler vor.

Da bin ich also, und mache mich über die neuen Möglichkeiten schlau. Mit der Vielfalt an Angeboten, die man auf der Website findet, hatte ich nicht gerechnet. Da ist eigentlich für jedes Thema, jeden Zeit- und Geldaufwand irgendetwas dabei. Am Gschichtldrucker Workshop hat mich die Mischung an für mich vertrauten Problemstellungen in einem neuen Kontext gereizt. Es ist ein bisschen ein sanfter Übergang in die Theaterwelt für mich. Gefordert werden, sich inspirieren lassen und ein bisschen auch den Thrill, nicht genau zu wissen, was einen erwartet, das hab ich mir davon erhofft. Das ist auch voll aufgegangen. Jeder Text, den ich bisher da drin improvisiert habe, hat einen gewissen Funken Originalität und Freude, um den ich zuletzt ganz schön ringen musste.

Die Offenheit der Offenen Burg ist nicht nur so dahingesagt. Es sind nicht nur räumliche Grenzen, die überwunden werden, wenn man ganz locker ins verbotene Innere des Gebäudes geführt wird. Der Umgang miteinander ist unprätentiös, freundschaftlich und konstruktiv. Das ist keine Bildungselite hier, die dich in ihren Hallen gewähren lässt, das sind deine Kolleginnen und Kollegen.

Offene Burg bedeutet für mich, dass die Burg auf mich zugeht und ein Stück mehr versucht, mein Theater zu werden. Weil es mich nicht nur als Zuschauer hofiert, sondern Möglichkeiten gibt, als Mitdenker und Selbermacher etwas zu lernen. Dafür bin ich dankbar und es macht mir eine Riesenfreude.

Sebastian Rieger, 32 | TheaterWerkstatt Die Gschichtldrucker 

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