Wenn Beckett bäckt

attachment-1-7

Eben bog ich noch Anisbögen über den Kochlöffelstiel, die Vanillekipferl sind in Blech gedost, in meinem Haar den Duft der Zimtsterne, aber jetzt ist Akademietheater, das Endspiel wartet.

Beckett hat Menschen gebogen, in Beziehungen eingebacken, gefangen ist  jeder in sich, sortiert in Mülleimer. Das entfacht ein grausames Spiel auf der Bühne und in meinem Kopf einen Cocktail an Gedanken, ein Potpourri an Bezügen, eine Lust an den Wörtern, einen Vielfalt an Bildern, wie auf einem orientalischen Gewürzbasar. Ich möchte die einzelnen Sätze festhalten, sie auf die pinken Postkarten der Offenen Burg schreiben, aber sie quellen über den Rand des Formates, der Postkarten und meiner Merkfähigkeit, wie der Germteig im warmen Ofen. Ich halte nicht mehr fest, ich genieße. Gewürzt wurde mit einem kräftigen Schuss Klamauk, die Vanille erst macht den Kakao trinkbar, der Rum den bitteren Tee. Und dann dieses Gefühl, wie ein sich Fremdschämen: der Fremdneid. Ich beneide mich plötzlich, dass ich hier sitze, am Balkon, und sehe. Es sollten doch alle können, oder wollen, oder wenigstens eine Entsprechung finden, wider die Sinnlosigkeit, wider das Nichts. Warum hast du mich gemacht? Ich will Theater! Ich kann Theater, die Burg ist offen. Lass uns aufhören zu spielen. Nie!

Gabrielle Erd, Assistentin beim GenerationenTheaterClub Wiener Brut unlimited

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s